Purinarmes Hundefutter - Ratgeber für Hunde mit Leishmaniose und Dalmatiner

Hund frisst Hundefutter

Purinarme Ernährung beim Hund – Unser Leitfaden

Manche Hunde sind aus unterschiedlichen Gründen besonders anfällig für schmerzhafte Blasen- und Nierenerkrankungen. Oft lautet der tierärztliche Rat: „Unterstützen Sie Ihren Hund mit einer purinarmen Fütterung.“ Für die meisten Hundebesitzer wirft diese Futterempfehlung erstmal viele Fragen auf. Doch eine purinarme Ernährung kann das Risiko der Harnsteinbildung reduzieren und die Nieren entlasten. Wann du deinen Hund purinarm ernähren solltest und was du dabei beachten musst, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Was sind eigentlich Purine?

Purine sind ein überlebenswichtiger Bestandteil eines jeden Organismus. Sie sind notwendig für den Aufbau der DNA. Normalerweise ist der Körper in der Lage, die Purine selbst zu bilden und überschüssiges Purin in Form von Urin über die Nieren auszuscheiden. Das Medikament Allopurinol, ein Gendefekt oder anderen Krankheiten beeinträchtigen den Abbau des Purins. In diesem Fall solltest du auf eine purinarme Ernährung achten. Denn auch über die Nahrung nimmt dein Hund zusätzliche Purine auf, die er ebenfalls abbauen muss. Durch die purinarme Fütterung entlastest du die Nieren deines Hundes und beugst der Bildung von Harnsteinen vor.

Die wichtigsten Fachbegriffe von uns erklärt:

Purine

Purinesind Bestandteile der Nukleinsäure, sie werden für den Aufbau der DNA benötigt. Überschüssiges Purin wird zu Harnsäure abgebaut und in Allantoin umgewandelt. Das Allantoin wird über die Nieren ausgeschieden.
Puringehalt
Der Puringehalt kann unterschiedlich bezeichnet werden.
Beispiele für andere Bezeichnungen sind: Purinstickstoff, Purinwert, Purin-N
Harnsäureäquivalent
Purin führt nicht zu gesundheitlichen Problemen bei Mensch und Tier. Ursache ist die aus Purinen entstehende Harnsäure. Daher wird der Puringehalt in Harnsäure umgerechnet. Aus 1 mg Purin entstehen ungefähr 2,4 mg Harnsäure. Dies wird als Harnsäureäquivalent bezeichnet.
Xanthin
Xanthin ist ein Zwischenprodukt, welches beim Abbau von Purin zu Allantoin entsteht.
Nierensteine
Es gibt unterschiedliche Arten von Nierensteinen. 70 bis 80 % sind kalziumhaltige Steine, wie beispielsweise Kalziumphosphatsteine. Harnsäuresteine machen ungefähr 15 % der Nierensteine aus. Harnsäuresteine werden auch Uratsteine genannt. Sie entstehen, wenn zu viel Harnsäure im Körper ist. 10 % der Nierensteine sind Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine, die infolge von einer Harnwegsinfektion mit ureasebildenden Bakterien auftreten. Sie sind auch bekannt unter dem Namen Struvit- oder Infektsteine. Nur etwa 2 % der Nierensteine sind Zystin- und Xanthin-Steine. Sie entstehen durch Gendefekte bei denen entweder Zystin oder Xanthin übermäßig im Urin vorhanden ist.

Für wen ist eine purinarme Ernährung relevant?

Eine purinarme Ernährung ist für Hunde relevant, bei denen der Abbau des Purins nicht möglich ist. Bei diesen Hunden besteht durch einen zu hohen Puringehalt im Körper ein erhöhtes Risiko an Blasen- und Nierenerkrankungen. Nicht selten bilden sich Harnsteine, welche äußerst schmerzhaft für deinen Hund werden können. Im Folgenden erklären wir dir, welche Ursachen ein gestörter Purinabbau haben kann.

Purinarmes Hundefutter bei Leishmaniose

Häufig steht die Mittelmeerkrankheit Leishmaniose im Zusammenhang mit purinarmer Fütterung. Bei Leishmaniose ist der Hund von Parasiten, den Leishmanien, befallen. Die Krankheit tritt vor allem im Mittelmeerraum auf, verbreitet sich aber immer mehr in Teilen Süddeutschlands und Österreichs. Ist der Hund einmal infiziert, sind die Erreger sein Leben lang im Körper. Bleibt die Leishmaniose unbehandelt, entzündet sich die Niere des Hundes und er verliert immer mehr an Energie.
Weitere Infos zu Leishmaniose beim Hund findest du hier.
Leishmaniose behandelt man meist mit dem Medikament Allopurinol. Es behindert das Wachstum der Leishmanien und verhindert somit das Voranschreiten der Krankheit. Gleichzeitig beeinflusst Allopurinol aber auch den Purinstoffwechsel. Das Medikament hemmt den Abbau des Purins, wodurch der Hund keine Harnsäure mehr bilden kann. Stattdessen bildet der Hund vermehrt ein Zwischenprodukt, sogenanntes Xanthin. Die erhöhte Xanthinausscheidung über den Urin kann die Bildung von Harnsteinen begünstigen. In diesem Fall nennt man die Kristallablagerungen Xanthinsteine. Die Xanthinsteine können dann nur mittels eines chirurgischen Eingriffes entfernt werden. Um das Risiko der Harnsteinbildung zu vermeiden, solltest du bei der Behandlung mit Allopurinol unbedingt auf eine purinarme Ernährung umstellen.

Leishmaniose und purinarmes Hundefutter - Kurz und Knapp

Hund schläft im Bett
  • Bei Leishmaniose ist der Hund von Parasiten, den Leishmanien, befallen.
  • Leishmaniose wird mit dem Medikament Allopurinol behandelt.
  • Bei der Behandlung mit Allopurinol steigt das Risiko für Harnsteine.
  • Eine purinarme Ernährung kann das Risiko der Harnsteinbildung verringern.

Hunde mit Gendefekt – Purinarmes Hundefutter für Dalmatiner

Einige Hunderassen haben einen rassebedingten Gendefekt. Der Defekt ruft einen gestörten Purinstoffwechsel hervor. Durch diesen Erbfehler können die Hunde Purine und Harnsäure nicht richtig abbauen. Am bekanntesten ist dieser Gendefekt bei Dalmatinern. Der erhöhte Harnsäurewert im Urin führt zu Schädigungen der Niere und Kristallablagerungen in den Harnwegen. In diesem Fall spricht man von Uratsteinen. Die Ernährungsumstellung entlastet den gestörten Purinstoffwechsel und verringert das Risiko der Nierenschädigung und der Harnsteinbildung. Somit ist eine purinarme Fütterung für Dalmatiner oft sinnvoll, um die Bildung von Uratsteinen zu reduzieren.

Hunde mit Gendefekt - Kurz und Knapp

  • Einige Hunde haben einen rassebedingten Gendefekt.
  • Am bekanntesten ist dieser Defekt bei Dalmatinern.
  • Durch den Erbfehler steigt das Risiko für Uratsteine.
  • Eine purinarme Ernährung kann das Risiko der Uratsteinbildung verringern.
Dalmatiner

Weitere Krankheiten – Gicht und Rheuma bei Hunden

Für Hunde, die an Rheuma oder Gicht erkrankt sind, ist eine purinarme Fütterung ebenfalls zu empfehlen. Durch purinreiche Lebensmittel steigt der Harnsäurespiegel im Blut und der Körper muss die überschüssige Harnsäure ausscheiden. Ist er damit überfordert, bildet er Harnkristalle. Die Kristalle lagern sich vorzugsweise in den Gelenken ab. Die Gelenke schwellen in wenigen Stunden an und sind sehr schmerzempfindlich. Ein akuter Schub wird auch als Gichtanfall bezeichnet. Die purinarme Ernährung kann den Harnsäurespiegel reduzieren. Das Risiko der Kristallablagerungen sinkt und die Entzündung der Gelenke geht zurück. Sowohl bei Hunden als auch bei Menschen kann eine purinarme Ernährung die Beschwerden lindern. So können sich Mensch und Hund wieder schmerzfrei bewegen.

Weitere Krankheiten - Kurz und Knapp

Hundebeine auf Baumstamm
  • Bei Gicht und Rheuma besteht ein erhöhtes Risiko der Kristallablagerungen im Harn.
  • Die Kristalle lagern sich vorzugsweise in den Gelenken ab und verursachen starke Schmerzen.
  • Eine purinarme Ernährung kann das Risiko der Kristallablagerungen verringern.

Wann ist ein Hundefutter purinarm?

Nur wenige Futtermittelhersteller geben den Puringehalt ihrer Produkte an. Das erschwert die Suche nach einem geeigneten Futter enorm. Dazu kommt, dass es keinen gesetzlichen Grenzwert für die Bezeichnung „Purinarm“ gibt. Einige Hersteller bieten spezielle Diätfuttermittel bei Leishmaniose an. Der Puringehalt dieser Futtermittel sollte bei Trockenfutter bei 30 bis 50 mg / 100 g und bei Nassfutter bei 5 bis 15 mg / 100 g liegen. Konventionelle Futtermittel sind meist sehr purinreich und nicht geeignet. Eine Alternative stellt vegetarisches oder veganes Hundefutter dar. Je nach Zusammensetzung haben sie einen deutlich geringeren Puringehalt. Ein Hundefutter ohne Purin gibt es nicht, da Purine in allen Organismen vorkommen. Wir empfehlen, bei der Auswahl des Futters einen tierärztlichen Rat einzuholen.

So erkennst du purinarmes Hundefutter

  • Es gibt keinen gesetzlichen Grenzwert für die Bezeichnung "purinarm".
  • Der Puringehalt des Futters muss nicht deklariert werden. Frag im Zweifel beim Hersteller nach.
  • Diätfuttermittel bei Leishmaniose: Trockenfutter 30 bis 50 mg / 100 g - Nassfutter 5 bis 15 mg / 100 g.

Purinarme Lebensmittel

Alle Lebensmittel enthalten Purine. Einige Lebensmittel weisen jedoch einen sehr hohen Puringehalt auf und sind somit für eine purinarme Ernährung ungeeignet. Im Internet findest du viele Purintabellen, mit denen du ganz einfach feststellen kannst, welchen Puringehalt ein Lebensmittel hat.
Eine geeignete Tabelle findest du zum Beispiel hier.

geschälte Kartoffeln
  • Purinarme Lebensmittel

Lebensmittel
Puringehalt pro 100 g
Pflanzliche Fette
Butter/Margarine
Sonnenblumenöl
Rapsöl

Milchprodukte
Milch
Joghurt
Quark
Käse

Ei

Kartoffeln

Gemüse

0 mg
0 mg
0 mg


0 mg
0 mg
0 mg
4 mg

2 mg

4 mg

meist < 20 mg
  • Purinreiche Lebensmittel

Lebensmittel
Puringehalt pro 100 g
Innereien
Kalbsbries
Leber


Fisch
Forelle
Hering

Bierhefe/Hefe

Leberwurst

Pferdefleisch

Gänsefleisch mit Haut

612 mg
120 mg



144 mg
99 mg

283 mg

196 mg

116 mg

106 mg

BARF – Hundefutter purinarm kochen

BARF steht heutzutage für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Das Barfen ahmt die Ernährung eines wilden Fleischfressers nach. Die Mahlzeit besteht aus verschiedenen Komponenten wie Muskelfleisch, Innereien und Knochen. Weitere Bestandteile der Mahlzeit sind Obst und Gemüse sowie eine Kohlenhydratquelle und Futterzusätze. Benötigt dein Hund Futter mit wenig Purin, solltest du auf den Puringehalt der Zutaten achten. Purinarmes Barfen beim Hund ist möglich. Reduziere den Anteil von Innereien und füttere purinarmes Muskelfleisch und Knochen. Pferdefleisch und Innereien haben einen hohen Purinwert und sind damit ungeeignet für purinarmes Barfen. Zu den purinarmen Fleischsorten zählt Geflügel ohne Haut, mageres Rindfleisch oder Wild. Knochen haben kein Purin und sind somit für das Barfen geeigent. Damit dein Hund alle nötigen Nährstoffe und Proteine bekommt, empfehlen wir alternative purinarme Proteinquellen. Dazu gehören Ei, Kartoffeleiweiß und Quark. Gemüse und Obst haben oft einen geringen Puringehalt und können beim purinarmen Barfen sorglos gefüttert werden.

Hund Hundefutter BARF
Für eine bedarfsgerechte Zusammenstellung der Futterrationen sind besondere Kenntnisse der Futtermittelkunde und Tierernährung erforderlich. Es ist möglich, deinen Hund mit selbst gekochtem Hundefutter ausgewogen zu ernähren. Doch oft besteht die Gefahr einer Unter- oder Überversorgung. Besonders bei Junghunde können Nährstoffmangel und Überversorgung verheerende Folgen mit sich bringen. Durch fehlerhaftes Barfen kann dein Hund an Magen-Darm-Problemen oder Zahnfrakturen erkranken. Ein Mangel oder eine Überversorgung an Nährstoffen fällt häufig zu spät auf. BARF bringt also viele Risiken mit sich, weshalb einige tierärztliche Fachorganisationen diese Ernährungsform ablehnen. Auch wir empfehlen dir ein von Fachleuten entwickeltes Alleinfuttermittel. So kannst du sichergehen, dass dein Hund alle Nährstoffe erhält, die er für ein gesundes Hundeleben benötigt.

Puringehalt von Insekten – Wie purinarm ist Insekten Hundefutter?

Immer häufiger bekommen wir die Anfrage, welchen Puringehalt unser Hundefutter hat. Deshalb haben wir unser Insektenmehl und das Patentrezept Trockenfutter in einem Labor testen lassen. Unser Insektenmehl besteht aus Larven der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia Illucens). Es ist die Proteinquelle für viele unserer Futtermittel. Das reine Insektenmehl weist einen Puringehalt von 360 mg / 100 g auf. Das Patentrezept Trockenfutter hat einen Puringehalt von 91 mg / 100 g. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass unsere Futtermittel aus Insektenprotein für eine purinarme Ernährung nicht ideal sind.

Schon bald können wir ein neues Trockenfutter anbieten, welches speziell für die purinarme Ernährung entwickelt wurde.

Weitere Tipps für eine purinarme Hundeernährung

Eine purinarme Ernährung wirkt auf den ersten Blick kompliziert und anstrengend. Doch sie lindert die Beschwerden deines Hundes und gibt ihm wertvolle Lebensqualität zurück. Unser Tipp: Gib nicht auf! Die Mühe zahlt sich aus. Verschiedene Diätfuttermittel sind auf eine purinarme Fütterung abgestimmt. Sie erleichtern dir die Fütterung deines Hundes. Trotzdem solltest du genau auf die Inhaltsstoffe achten. Wenn du dir unsicher bist, kontaktiere am besten den Hersteller. Ein seriöser Anbieter sollte dir eine detaillierte Antwort zu deinen Fragen und genaue Purinwerte seines Futters nennen können. Bei der Auswahl des Futters solltest du auch zwischen purinarmem Trocken- und Nassfutter unterscheiden. Der Puringehalt bei Nassfutter sollte deutlich geringer sein als der Puringehalt von Trockenfutter. Grund dafür ist, dass die tägliche Futtermenge bei Nassfutter fast drei bis viermal höher ist als bei Trockenfutter. Die folgende Abbildung verdeutlicht, warum du genau auf den Puringehalt des Futters achten solltest.

Purinaufnahme für einen 10 kg Hund

Nassfutter vs. Trockenfutter mit einem Puringehalt von jeweils 30 mg / 100 g
Nassfutter Trockenfutter Purinaufnahme
Beachte außerdem, dass auch die Snacks für deinen Hund purinarm sind. Viele Leckereien wie Pansen oder Schweineohren haben einen hohen Puringehalt. Füttere deinen Hund daher mit purinarmen Alternativen. Du kannst beispielsweise Käsewürfel oder auch purinarmes Trockenfutter füttern. So kannst du deinen Hund sorgenfrei belohnen. Außerdem solltest du deinem Hund immer ausreichend Wasser zur Verfügung stellen. Eine hohe Flüssigkeitsaufnahme ist für Hunde mit Blasen- und Nierenerkrankungen besonders wichtig. Zusätzlich kannst du die Futterportion mit Wasser verdünnen. So kannst du dir sicher sein, dass dein Hund gut versorgt ist.

Hast du weitere Fragen? – Kontaktiere uns gern unter: hallo@ofrieda.de